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Reformationstag – was wird da gefeiert?

Seit 2007 laufen die Vorbereitungen für das große Jubiläum! Vielleicht haben Sie es noch gar nicht mitbekommen? Am 31.10.1517 soll Martin Luther die berühmten “95 Thesen” an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben. 500 Jahre später, im Jahr 2017, erinnern Kirche und Staat an die Reformation. Bereits seit 2007 gibt es Veranstaltungen um das Thema “Reformation”, auch “Lutherdekade” genannt.

Aber was gibt es da zu feiern? Aus Sicht der katholischen Kirche vielleicht ja nicht so viel – wo sich die andern Kirchen doch “abgespalten” haben?

Aus Sicht von “Otto Normalbürger” vielleicht noch weniger: gibt es nicht immer wieder Ärger mit diesen Kirchen und ihren Würdenträgern?

Aber es kommt noch dicker! In einem Vortrag zum Reformationstag zog Professor Volker Gäckle ein ernüchterndes Fazit: die Protestanten sterben weg! Immer weniger Kinder werden evangelisch erzogen. Überhaupt schwindet der Anteil der Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung: waren laut Professor Gäckle 1950 noch 96% der Deutschen Mitglied einer evangelischen oder katholischen Kirche, so sind es aktuell nur noch 58%. Von vier Deutschen sind also einer evangelisch, einer katholisch, und die andern beiden?

Im weltweiten Maßstab sind damit die Europäer das Schlusslicht, der “am meisten entkirchlichte Kontinent der Welt”. Laut Prof. Gäckle gibt es in Nigeria doppelt so viele Protestanten wie in Deutschland. Nachdem Europa 400 Jahre lang Missionare in andere Kontinente sandte, senden mittlerweile die anderen Kontinente Missionare nach Europa.

Über 100 Millionen Migranten weltweit sind Christen und erzählen von ihrem Glauben, wo sie auch hin kommen. Damit wandern sie auf den Spuren von Petrus und Paulus. Selbst die Vertreibung des jüdischen Volkes nach Babylon und in andere Länder diente Jahrhunderte später dazu, dass sich das Evangelium in Windeseile verbreiten konnte.

Vor welche Aufgaben stellt diese Entwicklung evangelische, katholische und auch andere Christen? Wir müssen bereit sein,

  • von anderen zu lernen
  • uns verändern zu lassen
  • auch bei “Gegenwind” durchzuhalten.

Prof. Gäckle:

Wer an Jesus bleibt, wird zum veränderungsfreudigsten Menschen der Welt!
Wir dürfen nicht die Strukturen der Reformation kopieren, sondern ihre Hoffnung!
Wir haben Jesus unser Herz gegeben, weil wir vor seinem Wort und seiner Wahrheit nicht mehr davonlaufen konnten.

Auch Jesus fragte seine Jünger sinngemäß: “Und ihr? Wollt auch ihr austreten?”

Petrus antwortete voller Überzeugung: “Herr, wohin sollen wir denn gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens!”


Prof. Dr. Volker Gäckle ist Rektor der Internationalen Theologischen Hochschule Liebenzell. Er sprach am Refomationstag, dem 31. Oktober 2014, in Vaihingen/Enz zum Thema “Die Reformation vor dem 500. Geburtstag – wo sind all die Protestanten hin?”.

Zum Weiterlesen:

Helmut Steeb | 2014-11-01