Skip navigation and move to Contents...

Von der Bibel keine Ahnung?

Saulus, der spätere Apostel Paulus – ist das Saul, der König von Israel? Fragte eine Bibelschülerin.

Josua, “der Sohn Nuns” – er war der Sohn einer katholischen Nonne! Behauptete ein amerikanischer Bibelschüler (der biblische Name “Nun” bedeutet im Englischen “Nonne”).

In den Vereinigten Staaten zeigen Umfragen, dass immer weniger Menschen die Bibel lesen. Kenneth Berding, Professor für Neues Testament, sagt in einem Online-Artikel (englisch): “wir bringen uns langsam um, wenn wir nicht mehr die Bibel lesen”. Den Amerikanern ist die Bibel wichtig, viele meinen, sie sei Gottes Wort – aber, so Berding, tatsächlich herrscht eine “Hungersnot an Bibelwissen”, ein “biblisches Analphabetentum”. Und es liege nicht daran, dass die Zahl der Christen abnimmt – der Mangel an Bibelwissen gelte auch für Christen!

Warum ist das so? Berding zählt auf:

  • Ablenkungen: Neil Postman schrieb “Amusing Ourselves to Death” (1986, deutsch “Wir amüsieren uns zu Tode”) und verglich George Orwells Buch “1984” mit Aldous Huxleys “Brave New World” (“Schöne neue Welt”): “Orwell fürchtete, man würde uns die Wahrheit vorenthalten. Huxley fürchtete, man würde die Wahrheit in einem Meer von Bedeutungslosigkeit ersäufen.” Das klingt schockierend angesichts der Informationsflut und Ablenkung durch Fernsehen, Internet und soziale Medien!
  • falsch gesetzte Prioritäten: Berding: “Mehr Zeit vor dem Fernseher zu verbringen als damit, Gottes Wort zu lesen / studieren / auswendig zu lernen, … ist Sünde”
  • falsche Selbstsicherheit: Leute sagen “Wir wissen eh schon mehr von der Bibel, als wir umsetzen können.” Laut Berding zeigt das nur, dass die betreffende Person sich bewusst nicht mehr mit der Bibel beschäftigt, sie nicht aktiv in die Praxis umsetzt und auch noch davon ausgeht, dass die andern genauso passiv sind.
  • “ich bin zu  beschäftigt!”: … etwa eine alleinstehende Mutter, die Vollzeit arbeitet. Aber ist das Bibellesen nur für Leute, die genug Zeit übrig haben? Als Gegenbeispiel zitiert Professor Berding eine Frau aus seiner Gemeinde. Sie versorgte drei Kinder. Dabei las sie die Bibel, lernte Verse auswendig und bezeugte später: “In diesen schwierigen Jahren hatte ich immer irgendeinen Vers im Kopf, an den ich mich halten konnte.”

Paul Caminiti, stellvertretender Leiter für Bibelverbreitung bei Biblica, bezieht sich auf den Artikel von Professor Berding. Er weist darauf hin (englisch), das fehlende Bibelwissen sei nur das Symptom für eine tiefere Ursache: die fehlende Liebe zur Bibel. Die Schreiber der biblischen Bücher “verglichen die Schrift mit wertvollen Schätzen wie Gold und Silber, oder mit Leckereien wie den feinsten Honig.” Er schließt daraus: “Wenn wir den Menschen nicht helfen, die Bibel zu lieben, werden sie sich von ihr abwenden.”

Um die Lage zu ändern, schlägt Caminiti vor:

  • weniger den “Vers für den Tag”, dafür mehr biblische Bücher am Stück zu lesen, und
  • die Bibel gemeinsam zu lesen und sich darüber auszutauschen.

Aber halt: weniger “Vers für den Tag”? Geht es bei Projekt Bibel 2.0 nicht genau darum: “Das Wort” – ein “Vers für den Tag”? Wie auch bei der im deutschen Sprachraum weit verbreiteten Herrnhuter Losung?

Stimmt! Aber…

  • besser ein Wort als gar keines!
  • Das Wort enthält zwei aufeinander bezogene Bibelworte: “Die Bibel erklärt sich selbst”
  • Das Wort lädt uns ein, die Verse im Zusammenhang der Bibel nachzulesen!
  • Im BibelStudio suchen Christen ergänzende Bibelworte als Basis für Das Wort. So werden sie motiviert, die Bibelworte im Zusammenhang zu lesen.
  • Für die Bearbeiter, die Das Wort in den verschiedenen Bibelausgaben aufbereiten, ist die intensive Beschäftigung mit vielen biblischen Schlüsselversen ein großer Gewinn.

Was heißt das für mich als Bibelleser? Ein paar persönliche Gedanken:

  • Eine Motivation zum Bibellesen ist sehr nützlich! Als Jugendlicher, noch bevor ich mein Leben Christus anvertraute, hatte ich eine große Motivation zum Bibellesen: ich war der jüngere Mitarbeiter einer Jugendgruppe und sah voraus, dass ich den andern in einer Andacht etwas aus der Bibel erzählen sollte. Deshalb las ich das Neue Testament – damit ich wusste, worum es ging.
  • Die Mühe, Bibelverse auswendig zu lernen, lohnt sich! Als Jugendlicher lernte ich regelmäßig wichtige Bibelverse auswendig. Am Sonntag lernte ich Psalmverse oder manchmal einen ganzen Psalm. Über diesen Schatz freue ich mich bis heute!
  • Als junge Familie lasen wir jeden Abend in einer Kinderbibel. Das war super – gemeinsam durchlebten wir die großen Taten Gottes! Wir lasen von Anne de Vries die “Kinderbibel” und “Das große Erzählbuch zur biblischen Geschichte”. Manche ungewohnten Formulierungen übertrug ich beim Vorlesen in unsere Umgangsprache, oder ich trug den ganzen Text so vor, wie wir reden – auf Schwäbisch.
  • Welche Bibelausgabe lesen? Die Wahl fällt mir schwer. Lange Jahre (jetzt bin ich 50) las ich die Lutherbibel. Doch der Text klingt holperig – niemand spricht heute so. Ich bin dafür, Texte verständlich zu formulieren (eine extreme Form davon ist die Leichte Sprache). Deshalb lese ich gerne in der Hoffnung für Alle – in heutigem Deutsch. Leider sind diese Verse schwer auswendig zu lernen!
  • Täglich nehme ich mir Zeit zu beten und in der Bibel zu lesen. Im Alltag kommt es allerdings vor, dass ich dieselben Verse immer wieder lese und irgendwie versuche, sie zu verinnerlichen (sprach Luther nicht vom “Wiederkäuen”?), aber irgendwie wollen sie nicht in meinen Kopf…
  • In meiner Gemeinde hat das Bibellesen seinen Platz in den Hauskreisen.
  • Einem anderen einen Bibelvers zu sagen kann sehr hilfreich sein. Aber es muss aus Liebe geschehen – nicht aus Stolz über das eigene Wissen (“Die Erkenntnis bläht auf”, 1. Kor. 8,1).
  • Manche sagen, wer die Bibel “liebt”, betreibe Götzendienst – wir sollten Gott allein lieben. Nanu? Wenn meine Frau mir aus der Kur einen “Liebes”-Brief schreibt, liebe ich meine Frau, und ich schätze ihren Brief, der ihre Liebe ausdrückt. Daher dürfen wir mit dem Psalmisten sagen: “Ich liebe dein Gesetz” (Psalm 119,113). Wir sollen die Liebe zu Gott und die Liebe zu seinem Wort nicht gegeneinander ausspielen!

Ein Kommentar von “Melinda” (2014-06-18) zu Professor Berdings Artikel spricht mich besonders an:

SonneErst letzte Woche kam mein ältester Sohn (jetzt 18) ins Wohnzimmer und fragte mich, ob wir spontan zusammen in der Bibel lesen könnten. Er wollte keine bestimmten Stellen lesen, also lasen wir zwei Stunden lang im Galaterbrief, schlugen andere Bibelstellen nach und sprachen darüber. Solche Augenblicke sind für mich die wichtigsten im Leben – dass meine Entscheidung vor 6 Jahren, mein Leben grundlegend zu ändern, umzukehren und meinen Glauben zu leben eine so große Auswirkung auf meine Kinder hat.

Ist das kein Ansporn?


Kenneth Berding ist Professor für Neues Testament in Biola an der Talbot School of Theology. Sein Buch “Bible Revival: Recommitting Ourselves to One Book” behandelt das Thema seines Artikels.

Biblica (früher International Bible Society) übersetzt die Bibel und gibt sie in vielen Sprachen heraus. Unser Projekt Bibel 2.0 hat von Biblica die freundliche Erlaubnis, die Bibeltexte der Hoffnung für Alle und der Kiswahili Contemporary Version 2006 zu benutzen.

Zum Weiterlesen:

Helmut Steeb | 2014-08-08